www.gemeinschaftspraxis-reichertshofen.de

Hyperaktivität
(Zappelphilipp-Info)

 

Was versteht man unter Hyperaktivität?

Unter Hyperaktivität verstehen wir eine körperliche Unruhe, die deutlich über die normale kindliche Bewegungsfreude hinausgeht. Die betroffenen Kinder sind unfähig, auch nur wenige Minuten stillzusitzen. Sie sind ständig in Bewegung, fassen alles an und sind dadurch laufend in Gefahr, sich zu verletzen. Jeder Erwachsene, der mit diesen Kindern umgeht, befindet sich ständig in höchster Alarmbereitschaft. Er darf ein solches Kind nicht aus den Augen lassen, damit es sich und anderen keinen Schaden zufügt.

Es gibt vier Gruppen von hyperaktiven Kindern:

1. Kinder mit einer minimalen Hirnfunktionsstörung. Auch deutlichere Hirnfunktionsstörungen mit Lernbehinderung oder geistiger Behinderung können zu einer Hyperaktivität führen.
2. Kinder, die organisch gesund sind, die aber irgendwann die Erfahrung gemacht haben, daß sie durch Hyperaktivität d i e gesamte Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten. Haben sie dann auch noch das Gefühl, von ihren Eltern nicht mehr genügend geliebt zu werden, entwickeln sie als Ersatz für die verlorengegangene Liebe eine Hyperaktivität, die ihnen Macht verleiht und sie in den Mittelpunkt stellt.
3. Kinder mit Allergien. Verschiedene Allergien z.B. gegen Weizen, Milch und Eier, können zu einer Hyperaktivität führen. Solchen Kindern kann geholfen werden, indem man das allergieauslösende Nahrungsmittels wegläßt. Allerdings ist es meist äußerst schwierig, das richtige Allergen zu finden und entsprechende konsequente Diäten im Kindesalter durchzuführen.
4. Zu einer weiteren, wohl auch der größten Gruppe (verschiedenen Untersuchern zufolge 29 % der Bevölkerung) gehören Kinder, die man seit einigen Jahren als Kinder mit einer gestörten Aufmerksamkeit bezeichnet. Knaben sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Die gestörte Aufmerksamkeit stellt das immer nachweisbare Kernsymptom dar, weshalb die Fachbezeichnung ADS lautet, das bedeutet „Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom“. Viel besser ist dieses Krankheitsbild unter der Bezeichnung „hyperkinetisches Syndrom“ bekannt. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, da ein ADS in seltenen Fällen, besonders bei Mädchen, auch ohne vermehrte Unruhe auftreten kann.

Wie erkenne ich ein ADS bei meinem Kind?

Bei dieser Erkrankung, die zu den häufigsten kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen gehört, ist nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Konzentration, die Wahrnehmung, die Informationsaufnahme, deren Verarbeitung und Wiedergabe und das Gedächtnis gestört
Diese Kinder fallen dadurch auf, daß sie ständig zappeln, nur schwer sitzenbleiben können, sich durch jede Kleinigkeit ablenken lassen, bei Spielen kaum erwarten können bis sie drankommen, oft mit der Antwort herausplatzen, schon bevor die Frage ganz gestellt wurde, und Schwierigkeiten haben, Aufträge zu Ende zu bringen.
Sie können sich nicht konzentrieren, sie wechseln häufig von einer Betätigung oder einem Spiel zum anderen. Ihr Spiel ist insgesamt unruhig und sie reden viel, wobei sie anderen nicht oder nur sehr schlecht zuhören können. Sie unterbrechen andere bei Aufgaben und im Spiel und platzen oft direkt in deren Aktivitäten hinein, wodurch sie diese auch stören und oft auch zerstören. Sie können Wesentliches von Unwesentlichem nicht unterscheiden. Oft werden sie als ungezogen, frech und böse angesehen. Sie verlieren häufig Gegenstände, die sie brauchen, wie Bücher, Spielzeug und Bleistifte und sind durch ihre Aufmerksamkeitsstörung ständig gefährdet, da sie beispielsweise direkt auf die Straße laufen, ohne Rücksicht auf den bestehenden Verkehr.
Für die Eltern stellen solche Kinder nicht nur durch ihre Hyperaktivität, sondern auch durch die Reaktionen der Umwelt, eine enorme nervliche Belastung dar. Freunde und Verwandte geben den Eltern gute Ratschläge. Sie raten ihnen, hart durchzugreifen und dem Kind "mal ordentlich den Hintern zu versohlen". Den Eltern bleibt dann schließlich kein anderer Ausweg als die Kinder ständig zu tadeln, zu ermahnen und zu bestrafen. In der Familie vergiften gegenseitige Schuldzuweisungen und Vorwürfe wegen angeblich falscher Erziehung die ohnehin angespannte Stimmung.

.

©2005 www.gemeinschaftspraxis-reichertshofen.de